Mit dem Ausbau wird die Hitze noch zunehmen

30. Juni 2026 | Pressemitteilungen

Seit Tagen brütet Nürnberg in Temperaturen oberhalb von 30°C. Nur ein Gewitter am letzten Sonntag brachte wenig Abkühlung. Nachts sinken die Temperaturen nicht unter 20°C, so dass man von tropischen Nächten spricht.Dass der geplante Ausbau des Frankenschnellweges auch mit den seit Jahen steigenden Sommertemperaturen und tropischen Nächten in der Stadt zu tun hat, ist vielen nicht bewusst.

Brigitte Sesselmann, Vertreterin des Bürgerbegehrens und Vorsitzende von Baulust e.V.: „Sollte der Ausbau des Frankenschnellweges kommen – wir wollen das ja verhindern – wird die Hitze in der Stadt noch zunehmen. Nürnberg gehört in Bayern zu den vom Klimawandel besonders betroffenen Großräumen. Die Stadt liegt mit sechs bis acht sogenannten tropischen Nächten nach einer Studie des Bayerischen Landesamtes für Umwelt von 2021 bei der Nachtbelastung bereits heute in der höchsten Kategorie und damit in einem Bereich, der gesundheitlich gefährlich sein kann, beispielsweise für Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen.“

Bei einer Aktion an der Nopitschstraße im Nürnberger Süden, genau dort, wo der geplante Tunnel im Süden enden würde setzen Aktive aus dem Bürgerbegehren „Lieber zurück auf los!“ die aktuelle Hitzesituation ins Bild. Mit Sonnenschirmen demonstrieren sie die seit Jahren ansteigenden Extremtemperaturen in Nürnberg und in der Metropolregion.

Brigitte Sesselmann: „Das Allerwichtigste ist jetzt ein beschleunigter Klimaschutz und die Vermeidung von Fehlentwicklungen wie am Frankenschnellweg. Eine verantwortungsvolle Stadtentwicklung setzt eher auf Maßnahmen zur Reduzierung des KFZ-Verkehrs und auf den Erhalt und den Ausbau von Kühlungsflächen. Am Frankenschnellweg soll nach dem Willen der Stadtspitze genau das Gegenteil passieren: Rodung von großen, kühlenden Gehölzbeständen und Bau riesiger Beton- und Asphaltflächen, die sich extrem aufheizen.“

Der geplante Ausbau des Frankenschnellweges würde einerseits die Klimakrise weiter anheizen durch eine Förderung des KFZ-Verkehrs und durch die enormen Mengen an CO2, die beim Einsatz von Beton und Stahl in riesiger Menge entstehen (78.759 t CO2; 208.131 m3 Beton / 37.985 Stahl)

Andererseits würde das Lokalklima weiter belastet durch die Rodung des Wäldchens im ehemaligen Kanalhafen zwischen Schwabacher Straße und westlich Rothenburger Straße, die Rodung der Kleingärten im Gleisdreieck östlich Schwabacher Straße, an der Bertha-von Suttner- Straße sowie im Bereich Gibitzenhof auf beiden Seiten des Frankenschnellweges. Der geplante Park auf dem „Grünen Deckel“ würde dies nicht annähernd kompensieren. Die vom Servicebetrieb öffentlicher Raum (SÖR) immer wieder als große Klimaschutzmaßnahme verkaufte Park auf dem Tunneldeckel bräuchte über 3.000 Jahre, um allein den CO2-Ausstoß der Baumaßnahme zu kompensieren.

Brigitte Sesselmann: „‚Das Richtige tun und das Falsche lassen‘ ist die Devise für Nürnberg. Wir brauchen mehr Klimaschutz und gleichzeitig Klimaanpassungsmaßnahmen, um der Überhitzung der Stadt entgegenzuwirken. Der geplante Ausbau des Frankenschnellweges wäre das genaue Gegenteil davon.“

Hintergrund

Das Bay. Landesamt für Umwelt hat im Oktober 2021 den „Abschlussbericht Landesweite Schutzgutkarte Klima/Luft für die Landschaftsrahmenplanung“ vorgelegt. Dieser zeigt anhand verschiedener Klimaschutzszenarien auf, wie sich Nordbayern und die Stadt Nürnberg in den kommenden Jahren im Sommer weiter aufheizen wird. Nürnberg und Fürth werden danach in der höchsten Belastungsstufe 5 für die Nacht bewertet („Flächen, die bereits heute eine ungünstige humanbioklimatische Situation aufweisen“). Hier werden die tropischen Nächte stark zunehmen (Quelle: Klimaschutzkarte LfU, S. 111).

Gerade Städte wie Nürnberg sind durch Hitzeperioden besonders gefährdet: Die dicht bebaute Innenstadt speichert die Wärmestrahlung tagsüber und gibt sie nachts nur teilweise wieder ab. Die innerstädtische Minimaltemperatur kann während der Nacht um 6-7 Grad Celsius über der am Stadtrand liegen. Gäbe es den Nürnberger Reichswald mit seiner kühlenden Wirkung nicht, wäre der sog. Wärmeinseleffekt noch größer.Laut Deutschem Wetterdienst sind in der aktuellen Hitzeperiode Extremtemperaturen bis 40°C in Bayern zu befürchten. Sie ist ungewöhnlich für den Juni und wird mit der Klimaveränderung in Verbindung gebracht. „Die raumbezogene Darstellung von ‚Heißen Tagen‘ (HT) und ‚Tropennächten‘ (TN) über die Jahre 2000 bis 2024 zeigt, dass diese zum Beispiel während der extremen ‚Hitzesommer‘ in den Jahren 2003, 2015, 2018 und 2022 in Deutschland verstärkt registriert wurden“, schreibt das Umweltbundesamt auf seiner Homepage. Hitze ist für bestimmte Bevölkerungsgruppen sehr gefährlich: Im Extremfall setzt das Herz aus, die Nieren versagen (auch wegen Austrocknung und zu geringer Flüssigkeitsaufnahme), Atemwege und Stoffwechsel werden gestört. Laut Umweltbundesamt starben 2018 und 2019 in Deutschland insgesamt etwa 15.600 Menschen zusätzlich an den Folgen der Hitzebelastung.